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Warum betrieblicher Klimaschutz wichtig ist

Deutschland hat sich verpflichtet dem Klimawandel entgegenzuwirken und die Treibhausgasemissionen (THG) zu reduzieren. Unternehmen tragen zu den hohen Emissionswerten bei, daher ist es von großer Bedeutung, dass viele Unternehmen sich bemühen ihre THG-Emissionen zu verringern und damit mehr Klimaschutz betreiben. Die Wirkkraft kleiner und mittlerer Unternehmen wird bisher unterschätzt – Zeit das zu ändern.

Eine Glühbirne mit einem kleinen Baum anstatt einem Glühdraht

Seit 1990 sind die Treibhausgasemissionen in Deutschland rückläufig. Doch mit den derzeitigen Bemühungen, sind die Ziele Deutschlands bis zum Jahr 2030 65% weniger CO2 zu emittieren und bis 2045 klimaneutral zu sein, nicht erreichbar. Daher ist es von großer Bedeutung, die Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen zu intensivieren.

Besonders in der Energiewirtschaft und in der Industrie, denen der Großteil der Treibhausgasemissionen zuteil wird, müssen Einsparungen erzielt werden. Aber auch bei Gebäuden und dem Verkehr müssen prozentual gesehen starke CO2-Emissionsreduktionen umgesetzt werden. Um diese Einsparungen zu erreichen, werden regulatorische Maßnahmen ergriffen. Diese fokussieren klimafreundliches  und emissionsarmes Wirtschaften, weshalb dieses Thema in Zukunft noch mehr an Relevanz gewinnen wird, als es heute schon hat.  Die Energiewirtschaft, das produzierende Gewerbe und der Handel haben einen großen Einfluss auf die Treibhausgasemissionen und stehen daher vor einem Wandel, den es proaktiv anzugehen gilt.

Dieser Wandel richtet sich nicht nur an das produzierende Gewerbe und Großunternehmen.  Denn die Gesamtheit der kleinen und mittelständischen Unternehmen haben eine enorme Wirkkraft  und können einen entscheidenden Unterschied machen – immerhin zählen 99,4% der deutschen Unternehmen zum Mittelstand.

Klimawandel betrifft zunehmend Unternehmen

Wir sind bereits an einem Punkt angelangt, an dem die Folgen des Klimawandels auch in Deutschland zu spüren sind: Zum Beispiel in Form von Extremereignissen wie Hitzerekorden, Ernteausfällen, erkrankten und sterbenden Wäldern, regionalen Wasserknappheiten oder Überflutungen.
Auch vor Unternehmen macht der Klimawandel keinen Halt. In Landwirtschaftsbetrieben oder Unternehmen mit globalen Lieferketten sind die Folgen des Klimawandels bereits angekommen: So kommt es durch Trockenheit zu starken Ernteausfällen oder Lieferengpässen, da Schiffe nicht ausfahren können und durch Starkregen oder Überflutungen zu Schäden an Produktionsstätten .

Allein 2018 mussten über 8000 Landwirte staatliche Nothilfen in Höhe von rund 1 Million Euro beantragen, auf Grund der extremen Hitze und Dürre im Sommer.  Verzögerung beim Warentransport und Mehrkosten entstanden in Ludwigshafen durch niedrige Wasserstände im Rhein, da Güter mit Schiffen nicht abtransportiert werden konnten.

Auch Flutkatastrophen mit ihren verehrenden  Auswirkungen wie 2021 in Westdeutschland werden an Häufigkeit zunehmen und die deutsche Wirtschaft schwächen. Mit zunehmender Erwärmung des Klimas kann mehr Feuchtigkeit in die Luft aufgenommen und abgeregnet werden. Das Risiko von Starkregen und Überflutungen steigt.

In einer globalisierten Welt, sind Unternehmen mit internationalen Handelsketten zunehmend auch von Klimafolgeschäden in anderen Teilen der Welt betroffen. Eine Studie von 2021 brachte die Erkenntnis, dass deutsche Unternehmen Klimafolgen besonders im Außenhandel zu spüren bekommen werden. Betroffen sein werden Importe wichtiger Vorleistungsgüter für Produktionsprozesse aber auch Exporte. Verteilten sich doch sechs Prozent der deutschen Importe und vier Prozent der Exporte auf zwölf am meisten vom Klimawandel betroffenen Länder und Regionen.

vermehrte Wetterextreme seit 1950er Jahre

Der Druck steigt

Auch von außen wächst der Druck auf Betriebe durch politische und rechtliche Entwicklungen. Große Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden und Kapitalmarktorientierung setzen sich bereits seit einigen Jahren mit Nachhaltigkeitsthemen auseinander. Sie müssen einen CSR Bericht (Corporate Social Responsibility Report) vorlegen, der transparent ökologische und soziale Aspekte aufzeigt. Für diese Berichtspflicht sieht die EU-Kommission eine Novellierung vor.

Ab 2026 werden voraussichtlich auch kapitalmarktorientierte KMU von der neuen CSRD-Berichtspflicht (Corporate Sustainability Reporting Directive) betroffen sein. Sie soll u.a. Angaben zum Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel vorsehen.

Auch innerhalb von Wertschöpfungsketten wächst der Druck. Die Offenlegung von CO2-Emissionen zu Produkten oder Prozessen von Zulieferern sind für große Unternehmen auf Grund ihrer Berichtspflichten wichtig. KMU stehen daher immer häufiger vor der Herausforderung, ihre CO2 Werte und Klimaschutzmaßnahmen kurzfristig zu berichten. Dies gilt auch als Entscheidungskriterium für die Auswahl von Geschäftspartnern.

Zudem gibt es seit 2022 die EU-Taxonomie, welche voraussichtlich ebenfalls nach und nach auf KMU ausgeweitet wird. Sie ist eine Art Regelwerk der EU mit Kriterien für verschiedene Branchen, welches definiert, ob Unternehmen ökologisch nachhaltig wirtschaften. Ziel der Taxonomie ist es, Geldflüsse in sogenannte grüne Technologien oder Unternehmen zu leiten. Das bedeutet, Unternehmen, dessen Wirtschaftsaktivität nachhaltig und klimafreundlich ist, haben einen Wettbewerbsvorteil und können von Banken bei Investitionen bevorzugt werden.

Klimaschutzmaßnahmen zahlen sich aus

Klimaschutz zu betreiben lohnt sich! Was sich zunächst noch umfangreich anhört, stellt sich bei genauerer Betrachtung als große Chance für Unternehmen dar. Für viele Unternehmen lohnt es sich klimafreundlicher zu wirtschaften. Nicht nur im Hinblick auf die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung, sondern auch finanziell. Das zeigt sich auch in der Bereitschaft in den Klimaschutz zu investieren: Im Jahr 2020 haben eine Million kleine und mittlere Unterenhmen in den Klimaschutz investiert. Die Summe betrug dabei etwa 22 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Das war etwas mehr als 2019 in die Digitalisierung investiert wurde.

Die Nachfrage steigt

Betrieblicher Klimaschutz kann langfristig Kund:innen und Fachkräfte binden, denn in den letzten Jahren wandelten sich Anforderungen und Nachfrage

Über 60% der Verbrauchenden kaufen ausschließlich umweltfreundliche Produkte oder versuchen dies und jede 5. Person ist bereit einen höheren Preis für klima- und umweltfreundliche Produkte zu bezahlen. 2021 gaben bereits 85% der Verbrauchenden an, eine Kaufentscheidung zu ändern, wenn das Unternehmen nicht gegen den Klimawandel vorgeht.

Bei jüngeren Arbeitnehmenden ist die Klimafreundlichkeit eines Betriebs von großer Bedeutung. Aber auch bei den beschäftigten Mitarbeitenden zeigt sich dass es bereits heute 49 % der Beschäftigten sehr wichtig erachten, dass sich Ihr Unternehmen im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes nachhaltig entwickelt. Nur noch 14% gaben an, dass es ihnen weniger wichtig oder unwichtig sei.

In Zeiten von steigenden Energiepreisen und CO2-Besteuerung ergeben sich des Weiteren Kosteneinsparungen durch Effizienzsteigerung und Emissionsreduktion. Unternehmen mit einem hohen Stromvebrauch und Produkten aus Erdöl (Plastik oder Paraffin) müssen auf Grund steigender CO2 Besteuerung von zunächst 25€ pro Tonne CO2 auf 55€ bis 2025 mit einem teureren Einkauf rechnen. Oftmals reichen schon kostengünstige Alternativen oder kostenlose Verhaltensänderungen , um einen positiven Effekt zu erzielen. So kann ein Trinkwasserautomat installiert, Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind- oder Solaranlagen bezogen werden oder Geschäftskonten bei einer klimafreundlichen Bank angelegt werden. Ebenso ist es möglich genauer im Büro hinzuschauen: Wird klimafreundlich gelüftet? Wie kommen Mitarbeitende zur Arbeit oder welches Verkehrsmittel wird bei Dienstreisen verwendet? Welches Papier wird gekauft? Sind die Mitarbeitenden über Klimaschutzmaßnahmen informiert und motiviert diese umzusetzen? Finden Sie hier 10 Tipps, wie Sie in Ihrem Büro Klimaschutz betreiben können.

Klimaschutz wird zudem vermehrt ein Kriterium bei Auftrags-, Fördermittel- und Kreditvergabe sowie Investitionsentscheidungen. Dies wird zusätzlich durch die neue EU-Taxonomie forciert.

Viele Unternehmen stehen Klimaschutzmaßnahmen schon positiv gegenüber: In einer Umfrage des Handelsblatt Research Institute und BVMW bewertete bereits der Großteil der Unternehmen selbst, Klimaneutralität als Chance. Um die Relevanz dieser Erhebung hevorzuheben: Klimaneutralität ist weit mehr als die Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Mit Klimaneutralität wird ein Wirtschaften gemeint, bei dem kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre gelangt.

Zögern Sie nicht – legen Sie jetzt los

Eines steht fest: Im Bezug auf unsere zukünftige Lebens- und Wirtschaftsweise und die der nachfolgenden Generationen ist es höchste Zeit aktiv am Klimaschutz mitzuwirken. Es zeigt sich, dass Unternehmen in den nächsten Jahren vor Herausforderungen gestellt werden, da ein Weiterwirtschaften im bisherigen Sinne immer weniger erwünscht und möglich sein wird. Zudem bieten sich vielfältige Chancen und Möglichkeiten das Thema Klimaschutz anzugehen. Schon kleine Änderungen können etwas bewegen und darum geht es: Niemand muss den Klimawandel allein bekämpfen. Aber alle können Ihren Beitrag leisten, den gemeinsamen Weg in eine bessere Zukunft zu eben.

Gehen Sie daher als Vorreiter des Mittelstandes schon heute das Thema Klimaschutz an und übernehmen Sie nicht nur Verantwortung, sondern nutzen Sie auch die Vorteile des Wandels für Ihr Unternehmen.

Ein Portrait von Saskia Schmidt

Autorin

Saskia Schmidt

BVMW | Förderprojekte | Projektmanagerin KliMaWirtschaft