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Integration ökologischer Kriterien in die Reiserichtlinie

Die Optimierung der betrieblichen Beleuchtung bzw. des Lichtkonzeptes kann den Stromverbrauch reduzieren und neben den positiv, ökologischen auch finanzielle Auswirkungen haben….

Beschreibung

Integration ökologischer Kriterien in die Reiserichtlinie

Einfluss auf Emissionskategorien
3.6 Geschäftsreisen

Informationen zur Maßnahme

Die Integration ökologischer Kriterien in die Reiserichtlinie anstelle eines reinen Fokus auf Wirtschaftlichkeit als Entscheidungskriterium kann die Emissionen durch Geschäftsreisen erheblich reduzieren. Dazu gehören die Analyse der Ausgangssituation & systematisches Monitoring der Reisetätigkeiten, die Einigung auf konkrete Reduktionsziele & Regelungen in einem partizipativen Prozess zur Erhöhung der Akzeptanz und die Bereitstellung nützlicher Informationen für Mitarbeitende. Dabei wird das folgende Prinzip angewendet:

1) Anzahl der Dienstreisen reduzieren,

2) bei erforderlichen Reisen Emissionen reduzieren,

3) unvermeidbare verursachte Emissionen kompensieren.

Reduktionspotenzial

Für die Substitution von Dienstreisen durch virtuelle Meetings ergibt sich grundsätzlich ein enormes Klimaschutzpotenzial über Einsparungen von bis zu 99 % der CO2e-Emissionen 1,2.

Praktische Schritte zur Umsetzung

  1. Einführung einer Reisevermeidungsstrategie mit der Reisestelle
    • Digital First Culture, Begründungspflicht für Ausnahmen
    • Dienstreisen/Treffen mit kurzer Dauer, wenig Teilnehmenden, bei bereits vorhandenen guten persönlichen Beziehungen, niedriger ökonomischer Bedeutung, vorhandener Ausstattung & Erfahrung und ohne Notwenigkeit zum Transport von Gütern sollten digital durchgeführt werden (bspw. regelmäßige Teammeetings, Projektbesprechungen, Beratungsgespräche oder Detaildiskussionen).
  2. Festlegung von Kriterien für die nachhaltige Gestaltung notwendiger Dienstreisen
    • Kleinere Delegationen, längere Aufenthalte (Kombination von mehreren Terminen oder Arbeit & Freizeit = Bleisure)
    • Wahl des Verkehrsmittels auf Basis von ökologischen Aspekten
      • Entscheidungskriterium festlegen (bspw.: Reisezeit, Entfernung, Verhältnismäßigkeit Reise- & Aufenthaltsdauer)
        • Bahn: Klimafreundlichkeit & Produktivität betonen, Gewohnheit schaffen (Zuschüsse wie Jobticket oder Bahncard)
        • Flugreise: Fly like a NERD (Neue Maschinen, Economy Class, regulär große Flugzeuge, Direktflüge)
      • Ergänzende Kompensation (über zertifizierte Kompensationsprojekte)
        • Als Abzüge vom Reisebudget verbuchen
        • Zusätzliche interne CO2e-Steuer einführen
        • Bewusstsein schaffen, dass Kompensation nicht als Lizenz für umweltschädliches Verhalten verstanden werden darf

Aufwand & Kosten

  • Generell ist mit der Einführung einer Reisevermeidungsstrategie und der Substitution durch virtuelle Meetings mit Kosteneinsparungen zu rechnen.
  • Allerdings entstehen auch höhere Kosten durch nachhaltigeres Reisen & Kompensationen sowie notwendige Investitionen in technische Ausstattung, IT-Sicherheit, Lizenzgebühren, Schulungen für digitale Infrastruktur.
  • Diese Investitionen sind jedoch vorteilhaft für die Unternehmensentwicklung und sollten somit nicht nur der Vermeidung von Dienstreisen zugeordnet werden.

Hürden bei der Umsetzung

  • Dienstreisen = Gewohnheit, Statussymbol, Teil der Geschäftskultur
  • Eingeschränkte non-verbale Kommunikation
  • Spontane Einzelgespräche und Aufbau von Vertrauen sind erschwert
  • Abnehmende Konzentrationsfähigkeit bei langen Videokonferenzen
  • Weitere Belastungserscheinungen (Zoom fatigue)
Tipps für Online-Meetings
Begrenzung von Reisedauer und Teilnehmenden
Regelmäßige Pausen in und zwischen Online-Meetings
Gute Vorbereitung & Nachbereitung (Tool, Materialien)
Keine reine Versachlichung & Effizienzsteigerung
Angepasste Moderationstechnik, d. h. persönliche Aspekte integrieren, aktive Einbeziehung aller Teilnehmenden, interaktive Tools, Kleingruppen, Gesprächsregeln verwenden (bspw. Handzeichen, Redeliste)

Weitere Informationen

Best Practice
Name und Tätigkeit des Unternehmens:

  • Baldus Medizintechnik GmbH
  • Unternehmensgröße (Anzahl Mitarbeitende: 44 und Umsatz: 6.379.250,00 € (2022)
  • Branche: Medizintechnik
  • Ort: Bendorf

Die Baldus Medizintechnik GmbH ist ein seit 1993 bestehendes Familienunternehmen untergliedert in die beiden Tochtergesellschaften Baldus Sedation GmbH & Co.KG und Baldus Medical GmbH & Co.KG.

Sedation ist der europaweit führende Full-Service-Dienstleister im Bereich der Lachgassedierung. Medical im Gegenzug ist Spezialist in der Montage und Wartung medizinischer Gasversorgungsanlagen in Krankenhäusern und OP-Zentren.

Umgesetzte Maßnahme: 

Aufgrund der THG-Bilanzierung hat die Baldus Gruppe schnell realisiert das die meisten Emissionen in den Bereichen firmeneigener Fuhrpark (Scope 1), sowie Anfahrt der Mitarbeitenden (Scope 3) emittiert. Daher hat das Unternehmen nun eine Strategie entwickelt, um in diesen Bereichen Emissionen in Zukunft einzusparen. Dazu möchte das Unternehmen zunächst die Firmenfahrzeuge von Mitarbeitenden aus dem Innendienst auf Elektro-Autos umrüsten. Somit könnte nach der Umrüstung aller Fahrzeuge jährlich ein Einsparpotenzial von 34.110 kg CO2e erreicht werden. Um diese Umrüstung zu stärken, wir im Jahr 2023 ebenfalls die PV-Anlage auf dem Firmengebäude erweitert. So haben alle E-Fahrzeughalter die Möglichkeit ihr Fahrzeug innerhalb der Firma zu laden. Bei der Anfahrt der Mitarbeitenden möchte man die Personen, welche in einem Umkreis von 10km wohnen in den Sommermonaten dazu anhalten mit dem Job-Rad zu kommen. So könnten weitere 2.000 kg CO2e jährlich eingespart werden.

Tipps und überwundene Herausforderungen / Was hat bei der Umsetzung der Maßnahme geholfen?

Wichtig bei der Umsetzung ist insbesondere das Commitment der Führungskräfte, diese in der Tat umzusetzen. Zusätzlich ist die transparente Kommunikation mit allen Beteiligten von besonderer Wichtigkeit. Nur durch Transparenz können alle Beteiligten auf einen Prozess vorbereitet werden. Auch ist die Belegung der Wirksamkeit in Form von Zahlen und Fakten oft eine gute Hilfestellung. Aufgrund dessen haben wir die Einsparpotenziale berechnet, welche uns nun als Diskussionsgrundlage dienen.

Reduktionswirkung: 

Das Unternehmen kann, wenn die Maßnahmen umgesetzt werden, in Zukunft im Bereich der firmeneigenen Fahrzeuge ca. 34.000 kg CO2e jährlich einsparen. Im Bereich der Anfahrten der Mitarbeitenden können durch die Förderung des Job Rades 2.000 kg CO2e jährlich eingespart werden.

Dies sind stand heute jedoch nur Potenziale, welche in den kommenden Jahren verfolgt werden müssen.

Diese ca. 36.000 kg CO2e sind 16,98 % der THG-Emissionen aus den Berechnungen der THG-Bilanz aus dem Jahr 2022, welche bei 212.000 kg CO2e lagen.

Best Practice
Name und Tätigkeit des Unternehmens:

Die unabhängige Beratung Mi[de] – Mittelstand denken. mit Sitz in Düsseldorf begleitet seit 2013 mittelständische Unternehmen bei Strategie- und Finanzierungsthemen sowie Familienunternehmen bei deren Nachfolgeplanung. Strategietopthema aktuell: Mi[de] berät Kunden bei der Erarbeitung sowie Umsetzung einer unternehmensindividuellen Nachhaltigkeitsstrategie.

Umgesetzte Maßnahme: 

Unter dem Motto „Think before you travel“ soll dem Umweltschutz Rechnung getragen werden und der CO2-Ausstoß reduziert werden. Da Berater projektbedingt normalerweise viele Dienstreisen unternehmen, wurden folgende Maßnahmen in die Reiserichtlinie aufgenommen:

  1. Ist ein Meeting in Präsenz notwendig oder auch per Videokonferenz durchführbar? Kriterien, wie z. B. Entfernung, Anzahl Teilnehmer usw., sind vorab zu berücksichtigen, da auch Videokonferenzen CO2 verursachen.
    Die Teilnahme an einer einstündigen Videokonferenz mit dem Notebook verursacht Treibhausgasemissionen von 55 g CO2e, also etwa so viel wie eine PKW-Fahrt von 260 Metern 1
  2. CO2-arme Verkehrsmittel für nahe gelegene Meetings nutzen (Fahrrad, Tretroller)
  3. Erwerb und Einsatz eines E-Autos für weiter entfernte Termine

Tipps und überwundene Herausforderungen / Was hat bei der Umsetzung der Maßnahme geholfen?

Bisher gab es eine Förderung für E-Autos, diese ist allerdings ab dem 1. September 2023 für Anträge für mittels gewerblichem Leasing oder Mitarbeiterleasing erworbene Fahrzeuge nicht mehr zulässig.

Reduktionswirkung: 

Im Vergleich zu 2022 konnten damit die CO2-Emissionen von Mi[de] im Scope 1 um ca. 30 % reduziert werden.

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